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Montag, den 22. Februar 2010 um 19:20 Uhr

An:

Stadtdirektor Siegfried Pogadl

Dezernentin Waltraut Bonekamp

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft : Gewerkschaftssekretär Martin Steinmetz

Geschäftsführung Fabido: Frau Ferber, Herr  Lohmann

Personalrat: Ulrich Pichota

Fraktionen des Dortmunder Rates: SPD,CDU, Grüne, FDP, Linke


Offener Brief des Stadtelternrates der Kindertageseinrichtungen in Dortmund:

 

Kita-Eltern fordern vorbereitende Maßnahmen für eventuellen Streik in den städtischen Kindertageseinrichtungen

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

nun ist es amtlich, die beiden Tarifparteien im öffentlichen Dienst sind zu keiner Einigung gelangt.

Die hohe Streikbereitschaft bei den Erzieherinnen und Erziehern der städtischen Kindertageseinrichtungen in Dortmund haben wir Eltern und vor allem unsere Kinder, letztes Jahr zu genüge, am eigenen Leib erfahren müssen.

Wir Eltern befürchten auch für die Verhandlungen im Tarifstreik des öffentlichen Dienstes, dass die Erzieher/innen wieder in der ersten Streikfront stehen werden.

Die Ursache liegt darin, dass sowohl quantitativ als auch qualitativ der Kita-Ausbau weit hinter den aktuellen Erfordernissen zurückbleibt. (Zu viele Kinder in einer Gruppe, unzureichende Zahl von Ausbildungsplätzen im Erzieherinnen- und Erzieherberuf, geringe Aussicht auf höhere Qualifizierung, zu wenige U3 Kita-Plätze bei anhaltend großer Nachfrage, zu wenig Kindergärten in der Nordstadt…)

Die seit Jahren vom Rotstift diktierte schleppende Problembewältigung durften letztes Jahr die Eltern ausbaden. Trotz einer entsprechenden schriftlichen Aufforderung des Stadtelternrates im Vorfeld des Kitastreiks im letzen Jahr, hatte sich die Stadt mit den Gewerkschaften nicht auf eine Bedarfsgruppen-Regelung , wie von uns gefordert – je eine Bedarfs-Kita für jeden Stadtteil, einigen können. Es gab nur 190 Not/Bedarfs - Plätze für 7000 Kinder !!!.

 

Der SER wird es nicht zulassen, dass uns Eltern dies in Dortmund schon wieder passiert.

 

Viele Erzieherinnen  und Erzieher streikten mit einigen Bauchschmerzen. Ist es doch ihr tägliches Bemühen mit ihrer Tätigkeit, einerseits die Kinder zu unterstützen, die in besonderer Weise auf die in der Kita geleistete Erziehungsarbeit angewiesen sind, und andererseits dazu beizutragen, den Eltern die volle Teilnahme am Erwerbsleben zu ermöglichen.

Viele Eltern werden auf einen wiederholten Streik in den Tageseinrichtungen mit Unverständnis reagieren, weil sie den Streik im vergangenen Sommer noch deutlich in Erinnerung haben. Dieses sollte, auch in Anbetracht der ausstehenden Wahlen, vermieden werden. Wir Eltern haben einfach Angst, dass man uns und unsere Kinder wieder im „ Regen“ stehen lässt.

 

Daher stellt der SER an die Tarifparteien folgende Forderungen:

 

-          Sollte es zu weiteren Streiks in den Kitas kommen, dann sind vom ersten Tag an ausreichend Kita-Bedarfsgruppen in allen Stadtteilen einzurichten. Am besten in jeder Kita eine. Die Bedarfsabfrage sollte jetzt im Vorfeld durch geführt werden, damit der Bedarf abzusehen ist. Wir sehen Stadt und Gewerkschaften in der Pflicht sich in dieser Frage umgehend zu einigen. Vielleicht werden auch Eltern zu dieser Verhandlung eingeladen, damit wir der gegenseitigen Schuldzuweisung (wer hat die geringe Anzahl an Not/Bedarfs-Plätzen zu verantworten???) des letzen Jahres aus dem Weg gehen können.

-          Sollte in dieser Frage keine, für uns Eltern befriedigende Einigung möglich sein, so fordern wir die Stadt und die FABIDO-Geschäftsführung auf, die Erzieher/innen die sich nicht am Streik beteiligen wollen, auch arbeiten zu lassen. Diese können auf die Einrichtungen im Stadtgebiet verteilt werden, um die Einrichtungen für die Kinder zu öffnen. Hier können und wollen die nicht arbeitenden Kita-Eltern den Erziehern/innen unterstützend zur Seite stehen, um damit, solidarisch, den arbeitenden Eltern zu helfen.

-          Über konkrete Streikaktionen sind Eltern möglichst umfassend und rechtzeitig zu informieren. Von den streikenden Erzieherinnen und Erziehern erwarten wir, dass sie mit den Eltern das Gespräch suchen und nicht auf Plakate an der Tür verweisen, wie es leider letztes Jahr in einigen Tageseinrichtungen geschehen ist.

-          Eltern, die bei der Stadt angestellt sind und die aufgrund von Kita-Streiktagen gezwungen sind, ihre Kinder zu Hause zu betreuen, sind dafür bezahlte Freistellungen zu gewähren. Dies hat auch einen appellativen Charakter an alle anderen Betriebe in denen Eltern arbeiten, deren Kinder eine vom Streik betroffene Städtische Kita  besuchen.

-

-          Die Gewerkschaften fordern wir auf, deutlich zu machen, dass es ihnen nicht nur um eine bessere Bezahlung, sondern damit verknüpft, auch um eine bessere Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher geht. Die von vielen Erziehungswissenschaftlern geforderte Fachhochschulausbildung für Erzieherinnen und Erzieher verbessert nicht nur die Qualität der Kita-Arbeit, sondern trägt auch langfristig dazu bei, ein höheres Gehalt zu rechtfertigen.

-          Weiter fordern wir die Gewerkschaft auf, Dortmund nicht schon wieder als „Streikhochburg“ zu sehen. Wir Eltern und vor allem unsere Kinder haben letztes Jahr genug mit gemacht.

-          Den Eltern ist von der Stadt im Streikfall eine unbürokratische Rückerstattung des Essengeldes und der Kita-Beiträge zu zusichern, egal wie lange der Streik andauert und vom ersten Tage an. Weiter sollte der zurück zuzahlende Beitrag nach folgender Berechnung erfolgen: Kitabeitrag ./. 20 Kitatage x Streiktage = zurück gezahlter Beitrag

-          Das eingesparte Gehalt der Erzieher/innen sollte, wenn möglich, in die Kitas, als Sachmittel zurück fließen.

 

Die Kommunen beklagen, Land und Bund verweigerten ihnen die finanziellen Mittel für den Ausbau der Kitas und eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher. Die Gewerkschaften kontern, das Geld ist vorhanden- aber es müsse richtig verteilt werden.

Diese Auseinandersetzung darf nicht wieder auf dem Rücken unserer Kinder und zu Lasten der Kita-Eltern ausgetragen werden. Wenn die Stadt und die Gewerkschaften hier weiter kommen wollen, dann dürfen sie nicht länger die Stimmen der Eltern ignorieren, sondern müssen auf die Eltern zugehen und oben gestellte Forderungen erfüllen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Anke Bohlander

Vorsitzende SER

Stadtelternrat der Kindertageseinrichtungen in Dortmund

Enzianweg 20, 44289 Dortmund                                                                Dortmund, den 16.2.2010

 

 

P.S. Unter Bedarfsgruppen verstehen wir z.Bsp. Kitagruppen, die Kinder arbeitender Eltern betreuen oder die Kinder betreuen für die es besser ist in der Kita zu sein, als zu Hause………

 

Für Deine Kinder – für meine Kinder – für unsere Kinder – für unsere Zukunft!!!!

 

 



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